Oldenburg, Deutschland
Recycling- und Entsorgungsunternehmen Nehlsen
Abwasserbehandlung und Fettverwertung am Standort Oldenburg.
Steckbrief
Oldenburg, Deutschland
Industrie & Gewerbe
Individuelle Lösungen
Mit einer neu konzipierten Abwasserbehandlungsanlage investiert die Nehlsen AWG GmbH & Co. KG am Standort Oldenburg in eine zukunftsfähige Infrastruktur für die Behandlung fetthaltiger Abwässer. Gemeinsam mit KESSEL entstand ein Gesamtkonzept, das moderne Entwässerungstechnik mit ressourcenschonendem Fettrecycling verbindet.
Steigende Anforderungen an den Gewässerschutz und strengere gesetzliche Vorgaben erfordern leistungsfähige Lösungen für die Behandlung fetthaltiger Industrieabwässer. Besonders stark schwankende Belastungen und stabile Fett-Wasser-Emulsionen stellen hohe Anforderungen an Planung und Anlagentechnik.
Für Nehlsen, einem der führenden Recycling- und Entsorgungsunternehmen Deutschlands mit über 3.000 Mitarbeitenden an rund 70 Standorten in Europa und Afrika, war die Modernisierung der Anlage in Oldenburg ein wichtiger Schritt. Ziel war ein weitgehend automatisiertes System, das eine effiziente Abwasserbehandlung mit der Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe verbindet.
Ganzheitliche Anlagenplanung
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Erneuerung der Lager- und Behandlungstechnik. Gemeinsam mit dem Planungsbüro GEWINNER Architekten + Ingenieure entstand ein Gesamtsystem aus neuen Lagertanks, optimierter Rohrleitungsführung und zusätzlichen Reinigungsstufen. Eine durchgängige 3D-Planung erleichterte die Koordination der komplexen Verrohrung mit fünf Leitungsebenen und drei Großpumpen.
Installiert wurden drei maßgefertigte GFK-Lagertanks mit jeweils 35 m³ Volumen sowie ein Vorfluter-Behälter für den automatisierten Wochenendbetrieb. Die Umstellung von liegenden auf stehende Tanks verbessert die Phasentrennung von Fett, Wasser und Schlamm. Dadurch lässt sich die Fettphase gezielt abschöpfen und dem Recycling zuführen.
Mehrstufige Behandlung für sichere Einleitwerte
Die vorhandenen Fettabscheider nach DIN EN 1825 und DIN 4040-100 wurden um die KESSEL DOS Dosierstation sowie das biologische Reinigungssystem BIFENA ergänzt. Grundlage dafür war eine mehrwöchige Analyse des Abwasserprofils.
Durch die gezielte Dosierung von Flockungsmitteln werden emulgierte Fette und feine Feststoffe zu größeren Partikeln gebunden und abgeschieden. Im Betrieb werden alle drei Stunden fünf Kubikmeter Wasser behandelt und gleichzeitig fünf Liter Flockungsmittel dosiert. So sinkt die Konzentration lipophiler Stoffe auf rund 170 mg/l und unterschreitet dauerhaft die geforderten Grenzwerte.
Die abgeschiedenen Fette werden anschließend in Biogasanlagen verwertet und leisten einen zusätzlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.
Biologische Nachbehandlung
Zur Reduzierung der organischen Restbelastung kommt die biologische Kleinkläranlage BIFENA zum Einsatz. Als Bewegtbett-Biofilmreaktor baut sie organische Inhaltsstoffe mithilfe von Mikroorganismen zuverlässig ab und reduziert die CSB- und BSB₅-Werte. Nach der Einfahrphase arbeitet die Anlage weitgehend selbstständig. Das gereinigte Wasser wird anschließend als Prozesswasser im Betrieb wiederverwendet und senkt den Frischwasserbedarf.
Maßgeschneiderte Systemlösung
Das Projekt in Oldenburg zeigt, wie sich durch die Kombination aus intelligenter Anlagenplanung, Fettabscheidung, chemischer Flockung und biologischer Abwasserbehandlung auch anspruchsvolle Abwasserströme wirtschaftlich und nachhaltig behandeln lassen. Für Planer, Architekten und Installateure verdeutlicht das Projekt, dass individuell abgestimmte Systemlösungen entscheidend sind, um Einleitwerte sicher einzuhalten und Ressourcen effizient zu nutzen.
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Auswahlkriterien
- Geruchloser Entleerungs- und Reinigungsprozess in einem geschlossenen System möglich
- Zuverlässige Entsorgung großer Abwassermengen
- Individuelle Lösungen für spezifische Raum-/Einsatzanforderungen
- Einhaltung strenger Abwasserwerte