Gemeinde Grünwald setzt auf Bodenabläufe mit Brandschutzvorrichtung

Einfahrt der Parkgarage in Grünwald
Parkgarage

Parkplatzmangel und hohes Verkehrsaufkommen im Stadtzentrum sind Probleme, die viele Kommunen kennen. In der bayerischen Gemeinde Grünwald, 14 Kilometer südlich von München gelegen, entschied man sich daher zum Bau einer Parkgarage, um den Ortskern zu entlasten. Rund 18 Monate dauerte der Bau der zweigeschossigen Parkgarage mit anliegendem Wohnhaus und Parkanlage. 10,5 Millionen Euro hat das Projekt insgesamt gekostet; zu Hochzeiten waren 30 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Seit Anfang dieses Jahres stehen Anwohnern und Besuchern nun 194 Stellplätze und eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Bei Planung und Bau der Garage spielte der Brandschutz eine wesentliche Rolle. Vor allem die verwendeten Materialien mussten daher besonderen Ansprüchen genügen. Dies galt auch für die eingebauten Bodenabläufe.

Richtlinien und Vorschriften

Die Feuerwiderstandsfähigkeit der Abläufe wird in der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) vorgeschrieben. Sie gilt in allen Bundesländern mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen und besagt, dass Rohrdurchführungen in feuerwiderstandsfähiger Qualität (F30 bis F90) ausgeführt werden müssen. In den jeweiligen Richtlinien der Länder sind die Anforderungen für die einzelnen Bundesländer geregelt. Die so genannten „F30-Bundesländer“ schreiben baurechtliche Abschottungsmaßnahmen bereits bei F30-Bauteilen vor. In den „Nicht-F30 Bundesländern“ können in F30-Bauteilen Durchführungen ohne Klassifizierung eingebaut werden. Die ebenfalls schon in weiten Teilen Deutschlands geltende Musterbauverordnung (MBO) 2002 schreibt jedoch für alle Gebäude mit mehr als zwei Wohneinheiten Abschottungsmaßnahmen für Durchführungen in F30-Bauteilen baurechtlich vor. So dass es sich empfiehlt auch in „Nicht-F30-Bundesländern“ eine klassifizierte Abschottung in F30 Bauteilen einzusetzen. Für Bayern ist die MBO 2002 bereits gültig und war daher beim Bau der Parkgarage Grünwald einzuhalten. Darüber hinaus zählt Bayern zu den so genannten „F30-Bundesländern“.

Brandschutzvorrichtungen einfach installieren

„Bei Brandschutz denkt man vermutlich nicht zuerst an Bodenabläufe. Doch im Brandfall kann sich das Feuer durch unzureichend gesicherte Abläufe von einem Stockwerk ins andere ausbreiten“, erklärt die ausführende Architektin Peggy Tom vom Architekturbüro DMP. Während eines Brandes könnten im Bereich der Rohrleitungen Öffnungen entstehen, Rohrleitungen abbrennen oder sich Rohrleitungsteile durch fehlerhafte Montage vom Bodenaufbau lösen. So entstehe eine unzulässige Öffnung zwischen zwei Geschossen. In der Parkgarage in Grünwald kommen daher 80 Ecoguss-Bodenabläufe der Nennweite DN 100 mit einer Brandschutzvorrichtung, dem „Fire-Kit“, zum Einsatz. Dieses erfüllt die höchste Feuerwiderstandsklasse F120. Um die Abläufe mit der Vorrichtung auszustatten, musste der ringförmige Brandschutzeinsatz lediglich in den Grundkörper des Ablaufs eingelegt werden. „Im Brandfall würde das „Fire-Kit“ aufquellen, sobald Feuer durch das Rohr in den Ablaufkörper eindringt und so den Rohrstutzen verschließen“, sagt Tom. Darüber hinaus sind die Abläufe mit der speziellen Wanddurchführungs-dichtung, „Quick-Fit“ ausgestattet. Auch dieses System habe einen extra Brandschutz und erleichtere zudem den Einbau. Der Einsatz von Mörtel beim Ablaufeinbau wäre unnötig, da nach der Bohrung die Gummidichtung direkt in das Kernloch eingesetzt werde. Anschließend könne der Grundkörper darin versenkt werden. Um zu vermeiden, dass sich das Feuer zwischen Kernloch und Grundkörper ausbreiten kann, wurde eine Brandschutzmasse mit einem Metallbügel am unteren Ende der Einbauhilfe angebracht. Im Brandfall quillt die Masse auf und schließt die Lücke, die durch die schmelzende Dichtung entsteht und das Feuer kann nicht in die nächste Etage gelangen.

Werkstoff Ecoguss

Nicht nur die verschiedenen Brandschutzvorrichtungen bieten Schutz vor Feuer, auch das Material ist entscheidend. Viele Abläufe, die den Brandschutzvorschriften entsprechen müssen, bestehen daher aus Gusseisen oder Edelstahl. Denn diese  Materialien sind nicht brennbar. „Bei den Abläufen für die Parkgarage haben wir uns jedoch bewusst gegen Guss oder Edelstahl entschieden. Die von uns eingesetzten Bodenabläufe bestehen aus dem Material Ecoguss. Dieser Hochleistungs-Verbundstoff auf metallischer Basis verbindet die positiven Eigenschaften von Kunststoff und Gusseisen. Damit ist er wesentlich einfacher zu verarbeiten, als die schweren Gussabläufe“, erklärt Johann Weißenhorn, Fachplaner vom Planungsbüro für Haustechnik. Das Material ist bis 400 Grad Celsius temperaturbeständig und mit bis zu 12,5 Tonnen befahrbar und damit für die Belastungsklasse B ausgelegt. Dabei erfüllt der Werkstoff die Schallschutzbestimmungen der DIN 4109 und ist ausgesprochen beständig gegenüber aggressiven, chemisch belasteten Abwässern. Ebenso wie Kunststoff ist Ecoguss sehr leicht, daher sind die Abläufe einfach und schnell zu verarbeiten. Darüber hinaus ist das Material korrosionsfrei. Dadurch und aufgrund der glatten Oberfläche wird die Bildung von Bakterien und Keimen verhindert.

Problemloser Einbau und zeitsparende Wartung

„Die leichte Verarbeitung und die problemlose Wartung nach der Inbetriebnahme der Parkgarage, waren für uns ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Bodenabläufe. Auch der Kosten- und Zeitaufwand spielte eine Rolle“, erklärt die Architektin Peggy Tom. Durch die kompakte Ablaufform der Parkdeckabläufe Ecoguss ließen sich die Kosten für Kernlochbohrungen im Vergleich mit Gussabläufen um mehr als 60 Prozent reduzieren. Zudem sparte der Einsatz der Decken- und Wanddurchführungsdichtung „Quick-Fit“ viel Zeit, da beim Einbau, die Kernlöcher nicht mehr mit Mörtel verschlossen werden mussten. Für die Wartung stellt das Lock & Lift-Verriegelungssystem eine große Erleichterung dar. Um die Abläufe zu reinigen, kann mit einem Dreh der Rost geöffnet, entnommen und wieder verschlossen werden – ganz ohne Werkzeug . Dies ermöglicht eine Zeitersparnis von 70 Prozent im Gegensatz zur Reinigung von Rosten, die mit zwei Schrauben verschraubt sind.

Bequemes Parken in der Innenstadt

Stefan Rothörl, Bauamtsleiter der Gemeinde Grünwald, fasst zusammen: „Zwar kam es gleich zu Beginn der Bauarbeiten zu Verzögerungen, da zunächst Fundstücke aus der Bronzezeit geborgen werden mussten. Dennoch war es uns möglich, die Parkgarage innerhalb des geplanten Zeitraums fertigzustellen  und in allen Bereichen die strengen Brandschutzbestimmungen einzuhalten. Mit der neuen Parkgarage haben wir eine echte verkehrstechnische Entlastung für unsere Innenstadt geschaffen, die sehr gut angenommen wird.“

Daten und Fakten des Projekts

Bauherr

Gemeinde Grünwald
Rathausstraße 3
82031 Grünwald

Verarbeiter

  • Einbau der Ecoguss-Abläufe in die Bodenplatte:
    BRUNNER + CO
    Baugesellschaft mbH & Co München
    Paul-Gerhardt-Allee 52
    81245 München
  • Einbau der Ecoguss-Abläufe in die Decke des zweiten Untergeschosses:
    Knab GmbH
    Himmelkornstraße 4
    95445 Bayreuth


Fachplaner

  • Objektplanung:
    Axel Altenberend/ Horst Maude
    DMP Architekten BDA
    Balanstraße 19
    81669 München
  • Technische Gebäudeausrüstung:
    Johann Weißenhorn
    Planungsbüro für Haustechnik
    Kirchenstraße 89 b
    81675 München


Verwendete Produkte

  • Parkdeckabläufe aus Ecoguss DN 100 von KESSEL
  • Brandschutzeinsatz Fire-Kit (Zulassungs-Nummer Z-19.17-1719) von KESSEL
  • Quick-Fit Durchgangsdichtung (Zulassungs-Nummer Z-19.17-1719) von KESSEL